Eröffnung

03. Jul 2025

SZBZ über die Eröffnung des Hospizgebäudes

Eröffnung

Hospiz in Böblingen eröffnet:„Ort der Würde, des Trostes und des Mutes“
Von Esther Elbers
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Kunstvolle Glasfenster im Raum der Stille .
Stationäre Einrichtung mit Platz für acht Gäste in der Talstraße geht in Betrieb. Am Samstag, 5. Juli, können Interessierte das Hospiz beim Tag der offenen Tür besichtigen.
Böblingen.
Das Hospiz in der Mitte, ganz in der Nähe des Böblinger Bahnhofs, füllte sich am Dienstagnachmittag mit Leben: Bei der Einweihung besichtigten geladene Gäste die neue stationäre Einrichtung, in der unheilbar kranke Menschen am Ende ihres Lebens begleitet werden. Am Samstag, 5. Juli, ist das Hospiz beim Tag der offenen Tür dann für alle Interessierten geöffnet.
Der Weg hin zum stationären Hospiz in Böblingen sei alles andere als leicht gewesen, erklärte Andrea Thiele, Vorstandssprecherin der St.-Elisabeth-Stiftung. Die Einrichtung betreibt das Hospiz. Der Weg war geprägt von „Überzeugungsarbeit, Rückschlägen, langen Diskussionen. Aber auch von großem Zusammenhalt, echtem Engagement und dem unerschütterlichen Glauben an diese Idee.“Ein Hospiz sei mehr als nur ein Gebäude, verdeutlichte Andrea Thiele. „Es ist ein Ort des Lebens – bis zuletzt. Ein Ort der Würde, des Trostes und des Mutes. Und, ja, auch ein Ort der Trauer. Vor allem aber ist es ein Ort der Geborgenheit.“
Mit einem ganz besonderen Erlebnis aus dem Nagolder Hospiz St. Michael, das die St.-Elisabeth-Stiftung ebenfalls betreibt, veranschaulichte Andrea Thiele, um was es in einem Hospiz geht. Ein sterbenskranker Mann – einst Lkw-Fahrer voller Lebensmut – zog ins Nagolder Hospiz und fand dort nicht nur Schmerzlinderung, sondern Lebensfreude: „Er heiratete seine langjährige Partnerin im Hospiz, umringt von Familie, Freunden und einem Lkw als Hommage an seinen Beruf“, sagte Andrea Thiele und zitierte, was der unheilbar Kranke gesagt habe: „Man wird immer wieder überrascht vom Leben.“ Hospizarbeit stehe eben nicht nur für das Sterben, sondern für das Leben – für Nähe, Würde und Hoffnung bis zuletzt. „Auch hier in Böblingen, im neuen Hospiz in der Mitte, wollen wir genau das ermöglichen. Menschen sollen in einer Zeit voller Abschied auch noch ganz besondere Lebensmomente erfahren dürfen“, so die Vorstandssprecherin.
Tief beeindruckt vom Engagement
Der Böblinger Landrat Roland Bernhard zeigte sich tief beeindruckt von dem Engagement, das aus der Mitte der Gesellschaft entsprungen ist und die Eröffnung des Hospizes als Ziel hatte. Stolz ist er auch, dass der wirtschaftsstarke Landkreis flächendeckend mit ambulanten Hospizdiensten ausgestattet ist – das sei keine Selbstverständlichkeit. Über 300 Ehrenamtliche engagieren sich bei den sieben ambulanten Hospizdiensten. Die Lage des Hospizes in der Mitte bezeichnete der Landkreischef als „Achtung vor der Menschenwürde in Perfektion“.
„Der Tod ist ein steter Begleiter. Eine Konstante im Leben, die unumgänglich ist“, so Böblingens Oberbürgermeister Dr. Stefan Belz. So sehr der Tod durch Unfälle, kriminelles Handeln oder Krieg durch die Medien aufgegriffen werde und dadurch allgegenwärtig sei, „so wenig wissen wir tatsächlich mit dem Schmerz und der Trauer umzugehen, wenn wir direkt damit konfrontiert sind“. Trauerrituale seien heute nicht mehr bekannt. Und wenn jemand sterbenskrank sei, stelle sich die Frage, wie man mit dieser Nachricht und mit dem Betroffenen richtig umgehe. Glücklicherweise gebe es Menschen, „die sich Gedanken machen, wie wir in unserer Gesellschaft gut mit den Noch-Lebenden und Bald-Sterbenden umgehen wollen“.
Der Hospizverein habe sich eine hohe Expertise angeeignet und kräftig gewirbelt, um für Unterstützung in der Bürgerschaft, Politik und Verwaltung zu werben, Spenden zu akquirieren und Standort, Bauherren und Betreiber zu finden. Der Förderverein habe viele Förderer gefunden und erfolgreich Geld gesammelt. Der Landkreis und die Städte Böblingen und Sindelfingen, die Kirchengemeinden Böblingen und der Hospizverein haben sich zusammengetan, um eine Abmangel- Absicherung in Höhe von maximal 150 000 Euro in den ersten fünf Jahren auf die Beine zu stellen. Dennoch sei klar: „Das Haus wird immer wieder auf Spenden angewiesen sein“, betonte Belz.
Projekt, das Mut macht
Für den Sindelfinger Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer handelt es sich um ein großartiges Projekt, das Mut macht, weil es aus der Mitte der Gesellschaft kommt und ein Zeichen puren bürgerschaftlichen Engagements sei. Es zeige, was mit entsprechender Überzeugungskraft, Beharrlichkeit und gemeinsamem Einsatz möglich sei.
Maria Dries-Koblowsky, Vorsitzende des Hospizvereins Region Böblingen-Sindelfingen, blickte auf den langen Weg zurück - angefangen von der Idee und der Gründung des Hospizvereins über die mühsame, teils frustrierende Standortsuche bis hin zum Baubeginn, Grundsteinlegung und Richtfest. Ein weiterer besonderer Moment sei die Namensgebung gewesen. Der Name, für den sich die Mitglieder entschieden haben, besage alles: Geografisch in der Mitte, zwischen den Städten, mitten in der Stadt - „aber auch sinnbildlich ein Ort, der das Sterben zurück in die Mitte unserer Gesellschaft bringt. Dort, wo es hingehört, als Teil des Lebens.“
Ein Gewinn für das Hospiz sei, dass die Sindelfinger Künstlerin Sabina Hunger den „Raum der Stille“ gestaltet habe. Der Raum hat eine besondere Atmosphäre, geprägt von bunten Kunstglasfenstern sowie Glastafeln und einem Lichtkonzept. Ein bewegender Moment bei der feierlichen Einweihung: Vertreter verschiedener Religionen haben im Raum der Stille in einer Vitrine neben dem Kreuz Symbole hinterlegt wie beispielsweise einen Gebetsteppich, die Ausgabe eines Korans und einen jüdischen Gebetsschal.
Rainer Ganske, Geschäftsführer der Böblinger Baugesellschaft (BBG), freute sich, „dass wir mit dem Hospiz einen für die Gemeinschaft so wichtigen Ort realisieren konnten. Als BBG standen wir von Beginn an hinter den Plänen des Hospizvereins, im Raum Böblingen/Sindelfingen ein Hospiz zu schaffen.“
Der erfolgreiche Abschluss dieses Projekts zeige, was möglich sei, wenn Stadtgesellschaft und Unternehmen Hand in Hand arbeiteten.
„Menschen sollen in einer Zeit voller Abschied auch noch ganz besondere Lebensmomente erfahren dürfen“
Andrea Thiele,
Vorstandssprecherin der St.-Elisabeth-Stiftung

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